Kitchen Guerilla Blog

Stories

Ecuador Travel Diary

Ceviche, Bananenklöße und gegrilltes Meerschweinchen – Ecuador macht kulinarisch so einiges her. Der Andenstaat ist landschaftlich, kulturell und klimatisch so vielseitig, dass auch seine Küche entsprechend abwechslungsreich ist. Auf einer kulinarischen Reise quer durchs Land haben wir uns deshalb ordentlich die Bäuche vollgeschlagen.

Nichts als Grün, so weit das Auge reicht. Nur hier und da schlängeln sich kleinere und größere Flüsse durch das Dickicht. Es riecht nach feuchter Erde, nach Blättern, exotischen Früchten und Blüten. Fremdartige Vögel trällern ihre Lieder. Es ist der Willkommens-Soundtrack für unsere zweiwöchige Ess-Expedition, die jetzt beginnt. Hier in den »Bosque Humedo«, den subtropischen Wäldern Ecuadors, die unmittelbar an den Amazonas-Regenwald grenzen. Eingeladen wurden wir von Proecuador, einem Institut für Export- und Investitionsförderung, um neue Produkte zu scouten, Inspirationen zu sammeln und vor allem: zu essen.

Foto: Seren Dal

Foto: Seren Dal

Erste Station

Unsere erste Station ist die Schokoladenmanufaktur »Mashpi«. Sie liegt auf dem Pichincha, einem Vulkan nahe der Ecuadorianischen Hauptstadt Quito. Die gelbleuchtenden Kakaofrüchte wachsen in den gleichen Wäldern, in denen auch eine Vielzahl tropischer Früchte angebaut wird. Wir sind beeindruckt von der Ergiebigkeit des Permakultur-Prinzips: Die Ernte fällt deutlich üppiger aus als die von Monokulturen. Und leckerer! Nachdem die Bohnen in der prallen südamerikanischen Sonne gereift sind, entfalten sie ein unvergleichliches Aroma. Die fertigen Bioschokoladen schmecken kräftig, aber nicht aufdringlich, feinbitter und doch fruchtig. Einige Sorten werden in der Verarbeitung mit Obst angereichert – dem gleichen, das einst neben den Kakaobohnen herangewachsen ist.

Quito

Unten, am Fuße des Vulkans, liegt Quito. Ein besonderer Ort, der sich selbstbewusst als „Mitte der Welt“ bezeichnet, weil er auf dem nullten Breitengrad liegt. Die Straßen sind gesäumt von Obstständen, hinter denen buntgekleidete und goldgeschmückte Abuelas stehen. Alle paar hundert Meter stößt man auf kleine und größere Märkte: Hier werden vor allem frisch gepresste Säfte verkauft und traditionelle Gerichte gekocht. Die Menschen in Quito, über 2 Millionen an der Zahl, essen am liebsten Hausmanns-Style: simple Speisen mit einfachen Zutaten. Viel Fleisch (darunter auch mal ein gegrilltes Meerschweinchen), dazu Getreide, verschiedene Maissorten und Hülsenfrüchte. Die einzelnen Komponenten sind immer frisch und sehr geschmacksintensiv, da sie lokal angebaut und produziert werden. Viel gewürzt wird hier daher nicht. Ein bisschen Kumin, etwas Schärfe, das war’s.

Foto: Seren DalFoto: Seren Dal

Mit dem Auto geht’s weiter Richtung Süden. Wir machen Halt in Cuenca, einer ehemaligen Inka Hochburg im andinen Hochlandbecken. Hier lernen wir einen Koch kennen, der uns wegen seiner Skills in der Küche und seiner Herzlichkeit lange im Gedächtnis bleiben wird. Juan Solano kocht die Gerichte in seinem Restaurant »Tiestos« in kleinen Tontöpfen, die an marokkanische Tajines erinnern. Darin werden Zutaten wie Meeresfrüchte, Fleisch und Gemüse schonend geschmort und anschließend in kleinen Portionen in die Mitte des Tisches gestellt. So wie Mezze oder Tapas. In Cuenca stoßen wir außerdem – erneut – auf das landestypische Gericht Tamales. Als wir es auf einem Markt in Quito zum ersten Mal probiert haben, dachten wir: »Was ist das denn für eine in ein Bananenblatt gewickelte Maismehl-Pampe?« Als wir heute diese alte Dame treffen – sie gilt als Tamales-Göttin gilt, weil sie das Gericht seit ihrem Teenageralter täglich zubereitet – werden wir vom Gegenteil überzeugt. Sie arbeitet mit einer sehr aromatischen Brühe und viel Schweinefett und erzeugt so eine fantastische Würze. Der Knaller. Unheimlich saftig und geschmacksintensiv.

Weniger angetan sind wir übrigens von Bolones – einem Nationalgericht, auf das die Ecuadorianer sehr stolz sind. Die kleinen Kochbananenklöße werden zum Frühstück angeboten und sind teilweise mit Käse oder Speck gefüllt. Da ist uns der deutsche Style mit Brot, Käse, Schinken irgendwie lieber.

Guayaquil

Weiter geht’s nach Guayaquil, die größte Stadt Ecuadors, die 4200 Meter unterhalb von Cuenca und direkt am Meer liegt. Unmengen an Kakao und Bananen werden hier in diesem tropisch-feuchten Klima angebaut – und exportiert. Außerdem hat sich hier eine Szene junger Köche gebildet, die gerade dabei ist, sich intensiv mit lokalen Produkten und ihrem Ursprung auseinanderzusetzen und eine ganz eigene traditionelle und trotzdem moderne Küche zu entwickeln. So auch Juan José Moránd, der ein Meister für außergewöhnliche Tapas-Spezialitäten ist. In seinem Restaurant »La Pizarra« essen wir Variationen von Lamm, Taschenkrebsen, Garnelen, verschiedenen Gemüsesorten und gepimpten Früchten. Wirklich genial! Juan versteht es übrigens nicht nur zu kochen, sondern auch, sich zu vermarkten: Nach dem Essen zeigt er uns stolz seinen Instagram-Kanal mit mehr als 30.000 Followern.

Egal, ob an der Küste, in der Andenregion oder im Amazonas-Tiefland – was uns in Ecuador überall gleichermaßen beeindruckt, ist der Umgang mit Bananen. Sie werden dort so vielfältig und selbstverständlich eingesetzt wie bei uns Kartoffeln und sind wichtiger Bestanteil unzähliger Fisch- und Fleischgerichte. Außerdem haben wir uns in die Blautomate (»Tomatillo«) verliebt – sie hat eine etwas härtere Schale und erinnert äußerlich an eine große Pflaume. Ebenfalls unvergesslich: Limonade aus dem Fruchtfleisch der Kakaopflanze. Die schmeckt übrigens auch mit Rum.

Kitchen Guerilla Newsletter