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Mission Mezze: Mit dem Taxi durchs Morgenland

Die Küche des Nahen Ostens, auch Levante-Küche genannt, lebt von Genuss und Geselligkeit. Da sie dem Einfluss verschiedener Länder unterliegt, sind ihrer Vielfalt und Kreativität keine Grenzen gesetzt. Auf einer Rundreise von Antakya bis nach Beirut haben wir uns durch alle möglichen Mezze-Variationen gefuttert – und selber 70 Menschen satt gemacht

Wer ein Dessert aus Käse, Nudeln und Zuckersirup für Schwachsinn hält, hat Künefe noch nicht probiert. Die türkische Nachspeise ist die wohl sündenhafteste aller süßen Sünden – und schmeckt sensationell. Antakya, eine Provinz im Süden des Landes, gilt als Künefe-Hauptstadt. Manch einer vertilgt hier schon zum Frühstück eine Portion. So auch wir heute – am ersten Tag unserer Spurensuche nach den besten levantinischen Gerichten.

Das Besondere an der Levante-Küche: Ihre Wurzeln liegen in der gesamten Region der Mittelmeerküste, zu der unter anderem Syrien, Jordanien, Israel, Palästina, der Libanon und Teile der Türkei gehören. Verschiedene Kulturen und Religionen kommen auf einem Teller zusammen. Auf vielen kleinen Tellern, besser gesagt: Es wird immer eine Vielzahl verschiedener Mezze serviert.

Backblech

Nach unserem Aufenthalt in Antakya steht Syrien auf dem Plan. Was wir damals noch nicht wissen: Keine vier Wochen später wird hier Krieg ausbrechen. Die Reise dort hin gestaltet sich also als schwierig, da die Stimmung auch jetzt schon durchaus angespannt ist. Einige Orte, die wir besuchen, gibt es heute nicht mehr. Die Erinnerungen und kulinarischen Inspirationen, die wir in diesem wunderbaren Land sammeln durften, leben aber bis heute in unseren Köpfen weiter.

Eine Woche später landen wir dann im Libanon – mit dem Taxi. Ob ihr es glaubt oder nicht: Es ist nicht nur die sicherste, sondern auch die schnellste Art, gleich mehrere Nahost-Länder zu bereisen. Die Taxi-Unternehmen bieten oft von sich aus internationale Fahrten an. Ein bisschen aufregend ist es schon, die Landesgrenzen so zu überqueren.

Als wir in Beirut ankommen, treffen wir Kamal Mouzawak. Der Slowfood-Pionier ist eine große kulinarische Figur im Mittelmeerraum und außerdem Restaurantbesitzer. Wenn wir schon mal da sind, denken wir, kapern wir in alter Kitchen Guerilla Manier seinen Laden »Tawlet«! Zusammen mit Kamal und seinem großartigen Team servieren wir 70 Gästen also diverse Köstlichkeiten: Oktopus, Ceviche vom Bonito, Rote Beete Carpaccio mit Ingwer und Orange, Pilze in lokalem Bier und Zitrone mariniert, Lammragout mit Schokolade, in Arag eingelegtes Hühnchen, Betakarotten-Risotto, Kartoffelsalat mit Erdbeeren und Zaatar, Mandel-Parfait…

Alle Zutaten stammen vom Souk el Tayeb, einem Markt, auf dem ausschließlich lokale Produzenten verkaufen. Der Markt und das Restaurant arbeiten Hand in Hand. Die Produzenten haben einen sicheren Abnehmer und das Restaurant immer Zugriff auf frische (und leckere!) Produkte. Ein super Konzept also, bei dem alle Beteiligten auf ihre Kosten kommen.

Fest steht, dass wir nicht zum letzten Mal die Levante-Region besucht haben. Auf unserer gesamten Reise haben wir uns immer sehr Willkommen gefühlt und sind überall auf große Unterstützung, Wertschätzung und Herzlichkeit getroffen. Danke dafür!

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