We Trust – Hof Augustin

We Trust - Hof Augustin

Regional soll es ein. Natürlich! Dass aber regional kein Qualitäts-Siegel ist, vergessen die meisten. Das Alte Land vor den Toren Hamburgs ist Europas größte Apfelplantage, doch für einen ökologisch einwandfreien und gesunden Apfel muss man ziemlich lange suchen. 

 

Mit ökologisch einwandfrei meine ich nicht nur das Weglassen chemischer Fungizide, Herbizide, oder Insektizide, sondern auch das große Ganze. Wo kommt die Energie her? Wo geht die Energie hin? Wer arbeitet dort und vor allem wie? Was ist die Alternative zu der ganzen Chemiekeule?  Fragen über Fragen mit denen ich ins Alte Land gefahren bin, um mich mit einem der Bio-Pioniere des Apfelanbaus zu treffen. Dierk Augustin.

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Dierk hat einen Obsthof bereits 1990 auf Bio umgestellt und ist seit 2001 auch Demeter zertifiziert. Die Metamorphose vom konventionellen Obstbauern zum Demeter-Erzeuger hat sehr lange gedauert und dauert bei Dierks auch bis heute. „Ich bin zum Öko geworden und nicht als solcher eingestiegen und was auf dem Papier 3 Jahre dauert, hat bei mir im Kopf bestimmt 6 Jahre gedauert“, lacht Dierk.

 

Im Einklang mit der Natur zu arbeiten und nicht gegen die Natur erfordert nicht nur viel mehr Zeitaufwand, mehr Handarbeit und mehr Helfer, sondern auch viel mehr Kopfarbeit. Dierk führt mich durch die Apfelfelder und ich staune nicht schlecht, worüber er sich so alles Gedanken macht. Hier stimmt tatsächlich alles!

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Der Boden, der mit biodynamischen Präparaten aus Kuhmist, Gras und Obstzweigen gedüngt wird,  ist ein wahres mikrobiologisches Paradies mit lauten nützlichen Insekten und Hummus. Dieser Boden lebt, im Gegensatz zu den Nachbarböden, die ausgezerrt und tot erscheinen. Vorbeugend gegen Pilzerkrankungen werden die Bäume mit ausreichend Platz zum Nächsten gepflanzt, dass der Wind gut durchblasen kann und somit wie ein Fön wirkt. Falls doch mal was passieren sollte und es den Pflanzen nicht gut geht, wird mit Hornmist, Baldrian, Scharfgarbe, oder Kamille nachgeholfen. Das schont die Umwelt, den Boden und natürlich die Äpfel. Im besten Falle wird hier aber vorbeugend für ein gesundes Wachstum gesorgt und das erfordert natürlich mehr Arbeit, als bei einem Befall mit dem Traktor rauszufahren und die Chemiekeule zu schwingen.

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Bei der Ernte geht Dierks Kopfarbeit weiter. Geerntet wird nicht nach Plan, sondern erst dann, wenn der Apfel fertig ist. Auch das dauert natürlich länger, bietet aber eine enorme Qualitätssteigerung. Selbst die Lagerung der Äpfel in den hofeigenen Hallen ist perfekt gelöst und einmalig in ganz Deutschland. Dachte ich, doch ich könnte jetzt klugscheißen und behaupten, dass dieser enorme Stromverbrauch doch keineswegs ökologisch sein kann. Ist es aber!

 

Erstens kommt der Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage und den Windrädern. Und die Wärme, die im Kühlhaus entsteht, heizt die Wohn- und Wirtschaftsräume des Hofs. Das spart soviel Co2, dass jeder neuseeländische Apfel vor Neid erblassen würde.

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Natürlich setzt Dierk auch auf Mehrwegverpackungen und verwendet ausschliesslich nachwachsende Rohstoffe beim Aus- oder Umbau des Hofs. Dass dieser Apfel jetzt natürlich teurer ist, als der Apfel vom konventionellen Kollegen, sollte hiermit jedem einleuchten. Dass leider auch nicht jeder regionale Bio-Apfel von einem Erzeuger wie Dierk Augustin kommt, sollte spätestens ab jetzt auch jedem klar sein, denn diesen Aufwand betreibt natürlich nicht jeder Bio-Obst-Bauer.

 

Dieser ganze Kreislauf, den er sich hier zusammen mit seiner Familie im Alten Land geschaffen hat, ist so einmalig und nachahmenswert, dass man nach einem Besuch auf dem Augustin Hof keinen anderen Apfel mehr essen will. HIER gehts übrigens zum Online-Shop der Familie

Foto&Text: Olaf Deharde

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